Schnuppe von Gwinner

designreport 1/2016

Haute Couture des Textildesigns

Außergewöhnliche Textilien sind der Stoff, aus dem Couturiers unsere Modeträume schneidern. In den Materialien wirkt der Zauber akribischen Handwerks — aber auch die Magie modernster Technik

Text: Schnuppe von Gwinner


Haute Couture ist Glamour, Extravaganz, Luxus — und zuviel davon hebt den Zauber auf. Weil Luxus kein quantitatives Wachstum, sondern allenfalls qualitative Erneuerung kennt, zählt die Luxusindustrie zu den innovativsten Wirtschaftszweigen überhaupt. So jedenfalls sieht es Martin Leuthold, Kreativdirektor der Textilfirma Jakob Schlaepfer in Sankt Gallen, einer der ersten Adressen für Couture-Stoffe weltweit.

Begeistert berichtet Leuthold von der jüngsten Investition bei Jakob Schläpfer, einer an der Hochschule Luzern entwickelten Maschine für den „taktilen Druck“. Das Gerät appliziert haptisch wahrnehmbare Farben und Muster aufs Gewebe und eröffnet damit spannende Optionen im Textildesign. Mit der Einführung innovativer Techniken zur Textilveredlung kennt Leuthold sich bestens aus. Als Pionier in Sachen Textiltechnologie hat er das Schweizer Unternehmen, das in den Bereichen Haute Couture, Prêt-à-porter und Innendekoration tätig ist, bekannt gemacht. 1965 startete Jakob Schlaepfer mit der industriellen Paillettenstickerei. 1975 wurden in Kooperation mit Swarovski die so genannten „Hotfix Steine“, thermofixierbare Strasssteine, entwickelt. Die Firma arbeitete als eine der ersten mit Inkjet-Druckern für Textilien, fertigt Metallgewebe und nutzt ein Laseraggregat für Stickmaschinen.

Die Stoff- und Stickerei-Innovationen der Schweizer sind alljährlich auf den Catwalks in Paris, Mailand und New York unterwegs. Pro Jahr entstehen rund 800 Stoffe in vier Hauptkollektionen (für Sommer und Winter, jeweils für Haute Couture und Prêt-à-porter). Darüber hinaus gibt es Zwischenkollektionen für Japan und Saudi-Arabien. Für jede Stoffidee hat Martin Leuthold einen Kunden im Kopf, Chanel, Vivienne Westwood, Akris und all die anderen. Er fühlt sich keinem speziellen Stil verpflichtet, sondern verbindet vielmehr die lokale Kultur und Textiltradition mit zukunftsweisendem Design – oder den inspirierenden Anblick eines Blumenbouquets mit Hightech, wie bei „Slowlight“, einer Kollektion von Glasgarn-Geweben, die ihre floralen Muster nur im rechten Licht zeigen. ......

Mehr lesen Sie hier: designreport 1/2016 Schwerpunkt: Guter Stoff – Experiment, Forschung, Innovation

Abbildung Titel: Iris van Herpen Kollektion SS 2016