Schnuppe von Gwinner

Am 24.Juli 2018 um 18.00 Uhr wurde in der Leipziger Galerie "terra rossa" die erste Solo-Ausstellung der Keramik-Künstlerin Sarah Pschorn eröffnet.

Hier ein Auszug aus meiner Laudatio: ...

Ihre erste Einzelschau nach circa 50 Ausstellungsbeteiligungen in Deutschland, Italien, Slowenien, Belgien, Norwegen, der Schweiz und den USA. Die scheinbare Allgegenwart der Werke von Sarah Pschorn in der aktuellen Szene zeitgenössischer Keramik-Kunst trügt nicht. Vielfach ausgezeichnet,
mit dem TALENTE-Preis für Gestaltung der Handwerkskammer München,
dem Grassipreis der Goerdeler-Stiftung Leipzig,
dem Perron-Kunstpreis der Stadt Frankenthal und
einem Graduierten-Stipendium der Kunsthochschule Halle Burg Giebichenstein,
ist Sarah Pschorn ein umtriebiger Shooting Star mit deutlich aufwärts strebender Umlaufbahn.

Das Fundament ihrer Startrampe ist fest verankert. 1989 in Dresden geboren und als experimentierfreudig-kreatives Kind in einer Familie ohne nennenswerten künstlerischen Hintergrund aufgewachsen, beginnt sie 2009 ihr Studium in der Keramikklasse von Prof. Martin Neubert an der Kunsthochschule Halle Burg Giebichenstein. Dieser erkennt ihr Talent anhand ihrer Bewerbung, die eigentlich einem kunstpädagogischen Studium galt.

„Das Interesse etwas Künstlerisches zu machen sucht man sich nicht aus. Wenn man den Drang hat diese Dinge zu tun ist das keine Entscheidung, die man für sich treffen muß, sondern eine Berufung der man folgt,“ erkennt Sarah Pschorn und geht selbstbewußt ihren Weg.
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Schon im 3. Semester ihres Studiums wählt Sarah Pschorn den Titel „Material Girl“, ursprünglich für eine Dreiergruppe ihrer Objekte. Schnell bemerkt sie, dass dieser Titel für alles was sie tut einfach der Passendste ist. Natürlich spielt er auch auf Madonna's Song „Material Girl“ an, in dem diese ihre materialistische Weltanschauung besingt.


Das Material, wie Sarah Pschorn es in ihren Assemblagen einsetzt, lässt sich nicht von dem Opportunismus, den Madonna in ihrem Lied meint, trennen. Doch indem sie wirklich jedes Ding und jeden Rohstoff als potentiellen Werkstoff für ihre Objekte in Betracht zieht egalisiert sie deren Wert.

Egal ob Rohmassen von Ton, Porzellan, Fimo, Gold, Glas, Plastik oder aber Fundstücke die, schon gemacht und schon gelebt, Stile und Zeiten in sich tragen – sie mischt alles 1:1 um klar zu stellen, dass es tatsächlich überhaupt keinen Sinn macht die Sachen unterschiedlich anzuschauen und zu bewerten.
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Eine Vase ist die freieste Form und für Sarah Pschorn ein Format, wie es für den Maler die rechteckige Leinwand ist. Die Vase ist historisch wandelbar und kann in so vielen Richtungen gedacht werden, bietet so viel Spielraum für Assoziationen, egal welche Form man findet, welche Kurve man legt. Sofort ergibt sich eine Verwandtschaft, das Zitat einer Epoche.
Darüber hinaus hat eine Vase, vor allem wenn man sie in die Größe treibt, etwas körperähnliches, etwas menschliches, persönliches, charaktervolles ohne dass man figürlich wird. Und zu allen Zeiten war die Vase unter den keramischen Gefässen die Hauptdarstellerin. Auch, aber nicht unbedingt, zweckdienlich. Vor allem eine Botschafterin des jeweiligen Zeitgeistes.
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Galerie terra rossa, 25.07. bis 01.09.2018, Roßplatz 12, 04103 Leipzig Mo-Fr: 10 -18, Sa 11-15 Uhr

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Foto: Schnuppe von Gwinner