Schnuppe von Gwinner

Zwischen Poesie und Pragmatismus

Wenn Mutterschaft beflügelt, dann hat sie der kanadischen Künstlerin und Illustratorin Cybele Young bunte Schmetterlingsflügel verliehen. Um ihrem Baby in jeder Beziehung nah bleiben zu können, reduzierte Cybele nach dessen Geburt nicht nur ihre Wege und ihren Platzbedarf, sondern vor allem ihre Formate. Sie veränderte den Maßstab ihrer Papierobjekte auf Miniaturgröße: „Das sind gleichzeitig reale und abstrakte Objekte, die meinen Vorrat an „erzählenden“ Dingen darstellen, aus dem ich schöpfe um eine Art visuelle Poesie zu komponieren“.

Cybele Young gestaltet Skulpturen aus buntem Japanpapier, das häufig mit kleinen Radierungen bedruckt ist. Sie sind sehr unterschiedlich, normalerweise irgendwo zwischen 0,6 bis 18 cm klein und Ausgangspunkt für komplexe Arrangements. Inspiriert wird Cybele von flüchtigen Alltagserfahrungen. Sie schwelgt im Profanen, wo schon kleinste Beobachtungen fantastisch absurd werden können. Ihre Arbeiten, vordergründig sehr familiäre Motive, abstrahiert sie durch vergängliche Impressionen. Völlig gleichgültig ob in der eigenen Küche oder draussen, in der Nachbarschaft am Sperrmülltag: die Auseinandersetzung mit den unbelebten Objekten des normalen Lebens scheinen die Leere menschlicher Interaktion zu füllen.

Werkschau weiter lesen im Magazin Handmade Kultur 2/2015