Schnuppe von Gwinner

Wundersame Parallelwelten

Die britische Künstlerin Katharine Morling formt aus Porzellan und Steinzeug dreidimensionale Objekte, die wie Federzeichnungen anmuten. Und schafft damit eine Illusion unserer Realität.

Niemals werde ich den Moment vergessen, als ich die Londoner King's Road entlang schlenderte und das Schaufenster von „Osborne & Little Ltd.“ meine überraschte Vollbremsung auslöste. Das renommierten Einrichtungshaus hatte Katharine Morling beauftragt eine Installation zu kreieren, um damit auf die neue Tapetenkollektion Herbst 2009 aufmerksam zu machen. Ich fühlte mich wie in die schwarz-weiß Seiten der Comic-Bücher meiner Kinder versetzt. Nur eben in 3D!

Da stand ein gezeichneter Tisch, mit Vase und Blumenstrauss. Eine Schublade herausgezogen, aus der ein dickes Schlüsselbund ragte. Zwei Stühle, einer mit üppigem Polster. Ein Fenster, Spiegel, Schirmständer und Vogelkäfig schwebten wieder als normale Zeichnung vor den Tapetenbahnen im Hintergrund. Der Effekt war wirklich einzigartig und gab den Tapeten kaum eine Chance. Die Sensation waren diese massiven schwarz-weißen Objekte in Originalgröße, ein bißchen schief und krumm, wie aus einer Skizze ausgestiegen. Mein Begehren anzufassen, um heraus zu finden aus was das ist, wurde natürlich durch die Schaufensterscheiben gebremst. Also suchte und fand ich den Namen der Künstlerin: Katharine Morling, die ich bald darauf kennen und schätzen lernte.

Werkschau weiter lesen im Magazin Handmade Kultur 3/2015