Schnuppe von Gwinner

Felieke van der Leest - der Zoo des Lebens

Eine Kette goldener Erdnüsse fest im Griff stürmt ein Mini-Schimpanse im roten Tarzan-Häkelhöschen, seine Goldzähne fletschend, voran! „Chimp Champ“ fand 2001 aus dem Regal eines Spielwarenladens in das Atelier der niederländischen Künstlerin Felieke van der Leest und damit zu seiner Berufung als weltweit kleinster affiger Erdnussdieb. Er bewacht die hochglänzende Kette solange sie in der Vitrine liegt. Wenn sie angelegt wird baumelt er dort als strahlender Anhänger und sein forscher Gesichtsausdruck verwandelt sich in ein smartes Foto-Lächeln.

Nichts deutete darauf hin, dass Felieke van der Leest aus dem nordniederländischen Emmen einmal zu einer international anerkannten und bewunderten Schmuck-Künstlerin werden könnte. Genauso wie Millionen anderer kleiner Mädchen lernte sie schon früh von ihrer Mutter wie man häkelt, strickt und stickt und kleidete ihre Puppen ein. Genauso wie Millionen anderer kleiner Mädchen verbachte sie ihre Zeit mit Vorliebe im Pferdestall, mit Pferden, auf Pferden, um die Pferde herum. In ihren Teenagerjahren schloss sie sich modisch der aufkommenden gothik-punk Subkultur an und, um noch origineller als die anderen auszusehen, kreierte sie ihren eigenen Schmuck.

Das beeinflusste 1986 letztlich auch ihre Entscheidung, für fünf Jahre eine Gold- und Silberschmiede-Lehre an die Vakschool Schoonhoven zu absolvieren und ein Handwerk „von der Pike auf“ zu erlernen. Im Anschluss daran besuchte sie von 1991 bis 1996 die Gerrit Rietveldt Academie in Amsterdam, auf der Suche nach einer inhaltlich tragfähigen Brücke vom reinen Handwerk zur freien Kunst. Zu jener Zeit fanden wertlose Materialien, wie Papier und Plastik, zunehmend Eingang in die moderne Schmuckkunst. Einige Gestalter experimentierten auch mit textilen Techniken indem sie z.B. Metallfäden häkelten. Doch eine direkte Verknüpfung von Schmuck und Textil erschien undenkbar.

Die richtungsweisende Empfehlung erhielt Felieke van der Leest durch ...

Werkschau weiter lesen im Magazin Handmade Kultur 4/2015