Schnuppe von Gwinner

Corinna Petra Friedrich: Keine Malerei auf Keramik

Sie betont das Spielerische, ihre Freude und totale Faszination am keramischen Material. Sie spürt keine Bürde, dass schon so vieles gemacht ist. Eher die begeisternde Herausforderung, alle technischen und gestalterischen Entwicklungen in der Keramik zu sondieren, zu prüfen und gegebenenfalls für sich und ihr Werk zu nutzen, um ihren ganz individuellen Ausdruck und ihre eigene Ästhetik zu erreichen. Corinna Petra Friedrich ging einen ungewöhnlich weiten Weg, der sie zu ihrer heutigen Berufung führte, in der sie sich ganz der künstlerischen Keramik verschrieben hat.

Eismeerfarben – skandinavisches Blau – ein müdes Papierweiß – Erdbeersahnerosa – Ocker-Dotter-Gelb und Badezimmergrün. Ein wenig zittrig kariert, wackelig liniert, getupft, gepunktet, gesprenkelt, gestipst handzeichnerisch lebendige Flächen. Punkt und Linie sind der inspirierende Anfang eines ganzen Universums vibrierender Oberflächen, kleinster Strukturen, graphischer Muster in einander verwandten und komplementären Farben.

Die Erinnerung an Oma und Opas Küchengardinen, einen Rock, eine Schürze, die Teppichkante und das Stuhlkissen aus der Kinderperspektive. Tagtäglich nachhaltig beiläufig und nun, Jahrzehnte später, neu belebt auf den Oberflächen dieser Keramikgefäße. Anrührend geradezu in der seriellen Ansammlung gemusterter Becher, ovaler Platten, kleiner, nützlicher Gefässe. Sie wecken kreative Sammlerlust auf's kombinieren, komponieren und zusammen stellen und reichen gleichzeitig etwas von der Begeisterung weiter, der die Künstlerin Corinna Petra Friedrich folgt, wenn sie intuitiv gemusterte und farbige Flächen zerschneidet und zu raumgreifenden Gefäss-Unikaten aufbau.

Sechs Jahre Hochschulstudium der Malerei und drei Lehrjahre zur Keramikerin, plus Gesellenzeit und Praktika, liegen hinter ihr als sie ihr Aufbaustudium in der Klasse für künstlerische Keramik bei Professor Martin Neubert an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle beginnt. Alles kann und alles weiß sie, nur ihren eigenen Weg kannte sie noch nicht. Hier gewinnt sie....

Weiterlesen in Neue Keramik 3/2018

Corinna Petra Friedrich

Fotos: Jens Gerber