Schnuppe von Gwinner

In der 4. Ausgabe des Magazins "Objects - Journal of Applied Arts" heißt mein Thema:

Was fehlt uns?

Diese Frage tauchte ausgerechnet auf einer der Welt größten Konsumgütermessen auf! „Maison et Objet“ in Paris, mit über 3000 internationalen Ausstellern auf über 130.000 qm Fläche, mit ca. 7 Millionen Objekten in 7 Hallen im Januar 2010. Wie sollte man ausgerechnet hier, konfrontiert mit dem Superlativ an Dinglichkeit, auf die Idee kommen etwas zu vermissen? Philippe Starck, von den Veranstaltern der „Maison et Objet“ zum Designer 2010 gekürt, hat sie
gestellt. Anlass bot ihm der 10.Geburtstag des Bereichs „Now! Design a vivre“ in der Halle 7. Hier findet seit dem Jahr 2000 die Avantgarde des Objekt- und Möbeldesigns, vertreten durch einschlägig bekannte Firmen bis hin zum Design-Nachwuchs, 2 x jährlich ihre Arena.
Das ist natürlich nicht mit Mailand zu vergleichen, aber doch ein bemerkenswert schillerndes Feigenblatt für eine Messe, auf der es in Wahrheit um den Massenkonsum in seiner reinsten Form geht.
Die großen und kleinen Zirkuspferde der Designszene werden hier nicht nur vor die bunte Trendkutsche gespannt sondern eignen sich vor allem perfekt, um den Botschaften der Kommunikationsabteilung Sensation und Glamour zu verleihen.
„Was fehlt uns?“ fragt Philippe Starck und versucht in einem Interview selbst Antwort zu geben. Als Designer möchte er vorausschauend auf die Bedürfnisse der Menschen reagieren. Diese Aufgabe stellt sich für ihn im Kontext unserer gewaltigen Weltgeschichte, mit deren Evolutionstempo wir Schritt
halten müssen.
„Was fehlt uns heute, um das unglaubliche Werk fortzuführen, das Billionen von Menschen schufen um Fortschritt und Qualität unserer Zivilisation zu regeln?
Ist es eine Aktion, die in einem Projekt und in einem Objekt aufgehen wird?“
Er meint, dass etwas Materielles zu tun immer Fehler zulässt. Für ihn zählt also vor allem die Handlung.
Das einzige Objekt, das seiner Meinung nach heute akzeptabel sei, müsste ein Objekt mit einer starken politischen Bedeutung sein, die andere verloren haben. Oder mit einer neuen ökonomischen Wahrheit, die er auch nicht kennt. Oder mit einem ökologischen Bezug, was aktuell etwas modisch ist, sodass er dort einige Rauchzeichen wahr nehmen kann. Oder mit einer neuen sexuellen Identität. Nichts davon kann er aktuell erkennen. Doch nur weil es heute nichts derartiges gibt heisst das nicht, dass es das nicht generell geben sollte. Gerade weil es nicht da ist sollten wir es – mit Enthusiasmus - neu erfinden.
Philippe Starck betont, dass wir einer Zukunft entgegen gehen, die uns mit aussergewöhnlichen Möglichkeiten konfrontiert, die neue Werte, neue Wege und Maßnahmen erfordert. „Aber es ist nicht das was wir denken. Es ist nicht unsere heutige Welt. Und ich frage mich erneut: was fehlt uns ?“

Diese Frage richtete er auch an 10 Designer, die in jüngster Zeit durch ihre Arbeiten aufgefallen sind. In dieser Auswahl glaubte Philippe Starck jene Staffelträger zu erkennen, die seinem Vorbild, als prägendem und visionärem Designer einer Ära, folgen könnten. Um die Pointe gleich vorweg zu
nehmen: in einem Interview mit dem TV-Sender France3 äusserte er seine Enttäuschung über die Antworten der so genannten „Generation 2020“ !

Weiter lesen geht hier: "Objects - The Journal of Applied Arts"