Schnuppe von Gwinner

The Zoo of Life

Ein überaus ungewöhnliches, buntes, humorvolles und tiefgründiges Bilderbuch über das Werk der niederländischen Schmuckkünstlerin Felieke van der Leest legt die Arnold’sche Verlagsanstalt Anfang des Jahres vor. Natürlich ist es als Katalog zu den beiden großen Solo-Ausstellungen gemeint, zur aktuell noch bis zum 25.05.2015 im CODA Museum Apeldoorn (NL) laufenden Schau, die dann vom 04.09. bis 25.10.2015 im Nordenfjeldske Kunstindustrimuseum, Trondheim, Norwegen, Feliekes neuer Heimat, zu sehen sein wird. Natürlich wird es unvergesslich sein, wenn man die tierischen Fantastereien von Felike van der Leest im Original und in der Fülle selbst in Augenschein nehmen kann. Wer die Gelegenheit hat, sollte sie unbedingt nutzen.

Doch das Katalogbuch “The Zoo of Life” ist erstaunlich selbständig und hat großes Begeisterungspotential. Das ist natürlich einerseits den hervorragenden Abbildungen geschuldet, die der Chronologie der Entstehungsgeschichten, Serien und Themen folgen. Doch die klugen Begleittexte der Autoren Jorunn Veiteberg und Ward Schrijver haben einen ebenso großen Anteil an der Klasse dieses Buches. Die Texte steigern die Sensibilität und das Verständnis des Lesers für die absurde Komik, mit der Feliekes Schmuck- & Kunststücke falsche Werte und Oberflächlichkeit enthüllen und verspotten. Man sollte sie lesen um wissend den Genuss an der Vielschichtigkeit dieser Objekte zu steigern.

Einerseits erfährt man alles über den Werdegang einer jungen Frau, deren kindische Tierliebe und deren, zum Langeweile totschlagen erlernten Häkelkünste, die Grundlage zu einer geradezu einmaligen Karriere als international anerkannte Schmuckkünstlerin bildeten. Den entscheidenden Tip bekam sie von ihrem Professor Ruudt Peters und hatte fortan keinerlei Hemmungen mehr ihr Publikum mit absurden Geschichten aus ihrer Plastiktierwelt zu konfrontieren. Ihre kontrastreiche Bildsprache kombiniert Wertloses mit Wertvollem, Originale und Plagiate, Belangloses mit Bedeutendem und erzeugt damit ungeheure Spannung. Sie selbst nennt die Narrationen ihrer schmucken Tierkompositionen Fabeln, deren Regeln diese auch folgen, mit einem Augenzwinkern moralisierend, wirkungsvoll unterstützt durch verrückte Klamotten und schräge Accessoires. 2008/2009 konzentrierte sie sich auf schmückende Satiren zum Sport, 2010 bis 2014 rückte der Wilde Westen in ihren Focus – auch dies alles mit atemberaubenden Anspielungen an kulturelle Stereotypen und Klischees, die durch die originellen Titel der Objekte pointiert werden.

Mehr wird hier nicht verraten – das Fest erwartet sie als Katalogbuch in der Arnold’schen Verlagsbuchhandlung: “The Zoo of Life” by Felieke van der Leest